THE KASSIBER by J. Isaksen


Book Marks, zu Deutsch „Lesenarben“

Kassibert am von J. Isaksen.  Lesezeit: ungefähr 15 Minuten. Kommentar mailen

Von J. Isaksen

DID YOU READ ULYSSES?  Zum Abschied von Buch und Stadt fragt sich der Dublinerd, wie die ganze Chose denn am Ende zu lesen sei. Geht es ganz schnöde darum Text- wie Wegstrecke zu bewältigen, also das Lesezeichen des Lebens tüchtig vor sich her zu schieben? Oder ist es nicht genau so gut, wenn Wort und Ort uns streckenweise überwältigen, wenn wir hängenbleiben, uns im Kreis drehen, und es einfach kein Vorankommen gibt? Weil überall Lesenarben bleiben, frisch geschlagen wie längst vernarbt – „Down the road every single page of my life is scarred by a permanent book mark“, poor, poor G. says. Teil V & ENDE


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THE BOTTOM LINE  Das Fazit von 36 Stunden Dublin: a.) Etwa 98 Kilometer nicht gerade fußläufige Wegstrecke – hier zwischen City Gallery, Writers Museum, Joyce Centre und dem Garten der Erinnerung – immer nur zwei Schritte hinter einem projizierten Phantom herhechelnd. – b.) Vier übervolle Kladden mit schwarzem Einband und blauer Schrift – c.) Zwölf Begegnungen; zehn Entgegnungen. – d.) Sechs Becher Kaffee „to go“.

Laut zu lesen:

DID YOU READ ULYSSES?*  — the porter of the Joyce Tower asked.
DID YOU      ULYSSES?
DID YOU       LYSSES?
DID   U       LYSSES?
DID          ULYSSES?
DID          ULYSSES? (READ YOU.)
DID          ULYSSES? (     YOU.) — I asked myself.

Das Objekt ward ganz subjektiv nach vorne geholt, aus ein und dem selben Buchstabenvorrat schöpfend. Lesen nicht als abzuschließendes Pauken eines Pensums sondern als stetes Erliegen: jede einzelne Seite ein Dutzend Mal beackert … und doch nie fertig werdend mit dem Buch.



BOOK MARKS. (READ ME SCARS.)  The porter puts the Big Question, collecting a stiff fee for free admission — be it a good mark on the last page of the Book, or bloody marks written all over the face: “Did you read Ulysses?”* that is everyone’s query. „Bookmarks on every page“, my clumsy reply, „leaving marks on every side!“

LESENARBEN  Der Hüter des Turmes fragt ganz wie das Gretchen, verlangt über Gebühr trotz freiem Geleit, nach eifrig gesammelten Punkten, auf der letzten Seite vermerkt. Und er sieht nach Narben noch frisch, vom Lesen und Leiden ganz blutig geschrieben, ins Gesicht, dem Spiegel der Schrift: “Kennst Du die Worte, von vorne bis hinten?” Einzige Frage, die je ward gestellt. Von mir nicht wie gewollt eine klare Antwort, ein stetes Versuchen bloß: “Alle Seiten voll pochender Zeichen, des Lebens, nicht bloß des Lesens, vor- und auch zurückgeblättert – ein wuchernd’ Wirkwerk, nie zugemacht und weggelegt”.

– oder –

Schließ die Wunden. (Lies die Narben.)

Der Mann an der Tür des Turms stellt die Frage der Fragen,
verlangt für den freien Eintritt einen hohen Preis,
sei es ein Vermerk mit Häkchen auf der letzten Seite des Buches,
oder Blut auf dem Papier, von Haken, ganz frisch geschlagen:
„Kennst Du Deinen Ulysses?“ tönt die Frage, die mir den Weg verstellt.
„Lesezeichen auf jeder einzelnen Seite“, setz‘ ich mein Lebenszeichen dazu,
„hinterlassen tiefe Spuren – auch im Buch.“

V

Dublin, 30. Mai 2015


BLOOM: Mixed races and mixed marriage.
LENEHAN: What about mixed bathing?

— James Joyce, Ulysses, 1922


Der nackte Mann links neben mir ist gut zu verstehen. Auch ohne Gebiss im Mund. Die Zähne nimmt er raus, bevor er in die Fluten steigt. Bei Unterkühlung verlieren sich die Feinheiten der Artikulation, die Beißer machen sich selbstständig, klappern, als wollten sie SOS morsen. Wenn es die dritten sind, ist das Klappern besonders laut, und das verlorene Feingefühl im Ausdruck ist besonders groß. Seine blauen Lippen formulieren, als gehörten sie zu einem stoßanfälligen Sprechroboter: das alles durchdringende Zittern gibt den Takt an, zerhackt den Sprechfluss und die feine Melodie, die unserem Sprechen bei normaler Betriebstemperatur innewohnt. Dass der eifrige Sprecher die Ausschläge seines Zitterns einfach übergeht, nimmt mir die Scham, dass ich auch als Beisitzer bibbere, was das Zeug hält. Rechts neben mir hockt noch ein nackter Mann. Er sagt nicht viel, nickt aber alles ab, was der Tonangebende zu meiner Linken von sich gibt.

Taufbad

Wir waren bereits einmal im Wasser und warten jetzt darauf, dass der Hagelschauer über Forty Foot nachlässt. Hier an der Badestelle für Gentlemen, dem Taufbad des Ulysses. Zweimal ins Wasser zu gehen, sei ein absolutes Muss, hat man mir erklärt, mir, dem eifrigen first-timer mit Badehose, Notizblock und Fotoapparat. Beim ersten dip sei es nur kalt; erst beim zweiten Gang werde das Ganze zu einem Erlebnis. Dann sei es nämlich derart eisig kalt, dass einem auf eine wohlige Weise ganz heiß werde. Es gebe ein Schaudern, ein Prickeln auf der Haut – a thrilling tingling; man fühle sich von tausend glühenden Nadeln stimuliert. Dass ich mir das antun will, mittlerweile die immer weiter ausschlagende Amplitude meines Zitterns recht gelassen hinnehmend, rechnet man mir hoch an. Die meisten Ulysses-Pilger besuchten nur den Joyce Tower, schauten von hoch oben auf die Badestelle herab und blieben fein im Trockenen. Aber mein Mädchen solle ruhig herkommen, es brauche sich nicht genieren, seit letztem Jahr nehme der Schwimmclub hier sogar Frauen auf, und für die Herren sei das Tragen von trunks zur Pflicht erklärt worden. Dabei zeigt er mit der einen Hand flüchtig dahin, wo nach der neuen Verordnung bei ihm eigentlich eine Badehose sitzen müsste, und mit der anderen Hand winkt er “mein Mädchen” zu uns herunter ans Wasser.

“She ain’t my ‚Colleen‘ — please, leave the kid alone! Mein eingefrorenes Maul bricht auf, vielleicht etwas zu brüsk; auch ich bekomme das mit den Zwischentönen nicht mehr hin. Unsere Unterhaltung scheint erst einmal zu Ende zu sein. Männergespräche brechen immer dann ganz abrupt ab, wenn die Rede über die Frau nicht in Einklang zu bringen ist – weil die entsprechende Anrede ganz weit auseinandergeht zwischen grober Anmache und einem „An-Näherungs-Versuch“ im rein platonischen Sinne. Hinzu kommt, dass einem ohnehin zu kalt ist, um miteinander richtig warm zu werden. Worauf der mittelalte Sack dem ganz alten Sack also zu verstehen gibt – mehr oder weniger hintenrum – dass dieser genau dies sei: a dirty old man with no teeth, no trunks and a pronounced voice tremor — and this tingling sensation in your limbs is nothing but a shoddy hydropathic trick in the footsteps of Father Kneipp, mates!

Manchmal überkommt mich das ungute Gefühl, dass der Tag nicht mehr fern ist, an dem wir sie allesamt nach alt-sardischer Manier über die Klippe stoßen werden: diese „geilen alten Böcke“, welche nicht aufhören wollen zu lüstern und zu schwärmen von der Blüte der Mollies, Gerties und Colleens. Nachdem alte Männer viel zu lange alles durften, wird ihnen dann rein gar nichts mehr zugestanden werden, nicht die kleinste Regung, ja nicht einmal die blanke Existenz. Und wenn unsereins dann dazu ansetzen will, sich vor die Verstoßenen zu stellen, wird einem auf einen Schlag gewahr werden, dass man gar nicht in der Position ist, dies zu tun – ganz einfach, weil man doch längst selbst zum alten Eisen gehört.

Die junge Frau, die dort oben an der Kaimauer sitzt, etwas abseits von ein paar feixenden Mädchen in Schuluniform, war mir im Turm begegnet, mit einem zerfledderten Ulysses unter dem Arm, den ganzen weiten Weg aus Peru angeschleppt. Ihr Vater stammt aus Malta, ein halber Schotte, die Mutter hat einen japanischen Vater; der Rest der Mischpoke sei spaniolisch oder indigen. Demnächst tritt sie ein Auslandssemester in Edinburgh an. Es gibt Dublinerds, die untereinander alles preisgeben, ungefragt und in einem Rutsch, während andere auch auf wiederholte Nachfrage hin nicht antworten. Bevor ich zu den nackten Gentlemen am Wasser gestoßen bin, habe ich mich mit ihr unterhalten. Über den Ulysses natürlich. Offensichtlich in sehr angeregter und vielleicht auch missverständlich vertrauter Weise hatten wir über dem Buch die KöpfeOb es nicht eine wunderbare Pointe sei, dass die allerletzte Änderung, die Joyce vor Drucklegung des ewiglich nicht fertig werdenden Werkes bewirkt habe, die gewesen sei, dass er der mehr oder weniger guten Katholikin Molly auf mütterlicher Seite eine sephardisch-maghrebinische Abstammung gegeben habe? Molly kommt von Marion, und Marion kommt von Maria - das war immer schon klar - am Ende macht er die Maria dann zur Mirjam. Während Leopold mit seinem abgefallen Vater und der protestantischen Mutter ja nur der wahrgenommene Jude sei, nicht der tatsächliche. Joyce spiele das Wechselspiel von Zuschreibung und Selbstbewußtsein, und im Grabe amüsiere er sich sicher ganz köstlich darüber, dass sich seitdem ein hohes Beth Din von Literatur-Professoren darum bemühe, Blooms Judentum nachzuweisen: 'Dass ich nicht halache!' - rejoices Jack in the box. zusammengesteckt. So ist das immer, wenn ich mit Frauen Worte wechsle, frei fliegende Worte über gedrucktes Wort: sogleich meint der in Unterstellung geübte Passant, hier müsse ein noch viel weitergehender Austausch gegeben sein. Man zwinkert mir aufmunternd zu – wie gerade jetzt am Wasser – oder man springt empört dazwischen, je nach dem; nieder ist die Welt jedenfalls. I’m just a soul whose intentions are good, oh lord, don’t let me be misunderstood!

Synopse

Auch ihr Exemplar der Heiligen Schrift ist arg in Mit-Leidenschaft gezogen, dragged through the mire of empathy, wäre hier eine wunderbar überzogene Setzung – und dennoch das richtige Bild: Eselsohren an jeder zweiten Seite, enough dog ears for a proud pack, Anstreichungen im bunten Wechsel, dazzling are the colours of emphasis, die Ränder können die Notizen kaum halten, scribbled notes seem to push the master’s word aside, eingelegte Zettel zur Markierung der Stelle im Fluss, private papers parting the print, überall ein Lesezeichen macht wenig Sinn, bold marks are marking the book end-to-end, es sei denn, es ist ein allseits abgegebenes Lebenszeichen, leaving deep marks on every side – ein gegenseitig wirkendes Werk, vom Lesen gezeichnet, the bard’s corpus, scarred for life.

Sie hatte mich gefragt, ob ich denn unbedingt den Buck Mulligan geben wolle – streng genommen bade doch nur dieser hier, dem Buche nach. Meine Antwort war zugegebenermaßen etwas keck, aber daraus gleich eine bestehende Verbändelung abzuleiten, steht den Unverständigen nicht zu: Wenn ich ins Wasser stiege, tue ich dies nicht als der platschende Brocken Buck, welcher vor dem Tauchbad als Joking JesusThe Ballad of Joking Jesus: I’m the queerest young fellow that ever was heard. My mother’s a Jew; my father’s a Bird. (...) ja eine etwas ungewöhnliche, aber immer noch duale Abstammung beschwöre, sondern ich verflüssige mich, werde zum Element, das mich umgibt, fließe somit vollkommen ein in die grüne Urmutter. Passend dazu hatte ich ihr die Stelle im Buch gezeigt, die ich zur Untermauerung meiner arg dünnen Badetheorie gerne bemühe. Dabei war ihr das interaktive Lesezeichen ins Auge gefallen, dass ich oben auf den Turmzinnen gekritzelt hatte: “DID YOU READ ULYSSES?” stand da in ganzer Breite, die gewichtige Schwellenfrage des Museumswärters im Joyce Tower aufnehmend – auch ihr gestellt; der Eintritt ist und bleibt frei, ungeachtet der Antwort – oder aber da stand “DID YOU LYSSES?”, faltete man den Papierstreifen kunstvoll an zwei Stellen. (Book Mark hier herunterladen, ausdrucken und eigenhändig die richtige Faltung finden.)

Sie war mit einem klapprigen Fahrrad hier heraus gepilgert. Eins ihrer Hosenbeine war hochgekrempelt. Mich wunderte nur, dass es das linke war. So sind Dublinerds bisweilen: überaus textsicher, wenn es um das Aufwärmen von erkalteter, weil gedruckter Schrift geht, aber mit sich selbst überkreuz, wenn es um die Meidung des öligen Antriebs am untersätzigen Verkehrsmittel geht. Ob sie etwas in meinem erweiterten Ulysses blättern dürfe, während ich ins Wasser gehe … nein, zu Wasser werde? Und ich überließ ihr das, was ich ansonsten nicht so schnell herausgebe: meine Notizen am Rande. Falls ich wider Erwarten in umumkehrbare Auflösung gehen sollte, könne sie das dann herrenlose Buch behalten.

Nun sitzt sie also dort oben im Trockenen und blättert in meinem Ulysses. Die Mauer im Rücken schützt sie und die kostbare Schrift vor dem Hagel. Sie lässt sich nicht herbeiwinken, als die Sonne wieder herauskommt, von einem wildfremden alten Mann ohne Zähne schon einmal gar nicht. Ich sitze bibbernd am Wasser, in einem der weiß getünchten Unterstände, eingezwängt zwischen den ebenfalls zitternden Herren, fühle mich ganz nackt: es wird in mir geblättert. Denn ich war im Wasser, wurde zu Wasser; habe im Buch gelesen, bin im Text aufgegangen.

Wetterwende

Endlich kommt die Unterhaltung wieder in Gang. Die Rede über das Wetter soll den Weg zurück in die Unverfänglichkeit ebnen. Es ist der vorletzte Tag im Maienmond, und der Zahnlose gibt mir ungefragt einen Wetterbericht. Der Mai sei nicht sehr schön gewesen: viel zu kalt, viel zu nass, selbst für Dublin. In Indien stürben die Menschen vor Hitze wie die Fliegen, während hier die Wassertemperatur lange nicht einmal zweistellig gewesen sei. Das sei ziemlich ungerecht verteilt. Ich weiß nicht, mit wem er da hadert – mit dem Wettergott, einem weniger paganischen Schöpfer in den Wolken oder Sankt Peter persönlich – und ob er im Ernst die Toten der Hitzewelle auf dem Subkontinent und die frische lokale Badetemperatur gegeneinander aufzurechnen gedenkt. Er habe eine Weile in New York gelebt, sagt er jetzt, da seien die Sommer zumindest zuverlässig gewesen in ihrem brütend heißen Gang. Insgeheim finde ich es geradezu köstlich, dass man einem zahnlosen und textilfreien alten Mann nicht ansehen kann, ob er als Tellerwäscher oder als Millionär an der überseeischen Irish Riviera weilte.

Jetzt scheint die Zeit gekommen zu sein für den zweiten Durchgang. Auch diesmal bleibe man am besten sieben Minuten im Wasser; das sei die optimale Verweildauer. Da keiner von uns eine Uhr trägt, gehe ich davon aus, dass die ominösen sieben Minuten den natürlichen Zeitpunkt markieren, an dem der Spaß aufhört, und man schleunigst wieder an Land krabbeln sollte. Ich gebe den beiden Herren einen kleinen Vorsprung – jeder schwimmt für sich allein – und verbitte mir bewusst einen letzten Blick hinauf zu meinem Ulysses in fremden Händen, meinem Buch in der Entblätterung. Das wäre nun wirklich zuviel der Anhänglichkeit.

Verschwindungsnummer

Als ich wieder aus dem Wasser komme – ein paar Minuten vor den beiden alten Cracks – liegt das Buch neben dem von mir als Notfallmedizin bereitgestellten Kaffeebecher. Und sie ist weg. Ich kenne nicht einmal ihren Namen. Sie kennt nur meinen falschen: Sam. (Die ersten Becher des Tages hatte ich noch mit “Jim” beschriften lassen, Jim für James Joyce; dieser vorerst letzte trägt den Namenszug “Sam”, Sam für Samuel Beckett. Es gibt Dublinerds, die nie im Leben ihren wahren Namen herausrücken würden, selbst an der Kaffeeausgabe nicht, und sich deshalb erdreisten, große Namen zu bemühen. Immerhin sind Jim und Sam seinerzeit – jeder für sich – an genau dieser Stelle in die “rotzgrüne und eierwürgende” Urmutter gestiegen; das wiegt jede blasphemische Anmaßung meinerseits auf, finde ich.)

Es dauert eine ganze Weile, bis das Zittern aufhört. Auch den Rückweg will ich zu Fuß bewältigen; das stramme Anrennen gegen den Wind hilft dann auch, die gefrorenen Glieder wieder zum Leben zu erwecken. Dabei hätte ich sie beinahe übersehen. Ohne Anorak, hochgekrempelte Jeans und Buch unter dem Arm ist sie kaum wiederzukennen. Jetzt ist sie es, die mich heranwinkt. An die seichte Strandstelle, die sie sich zum Wassergang ausgesucht hat, fernab der nackten Gentlemen. Sie lächelt, gibt mir zu verstehen, dass ich sie beim Ins-Wasser-Gehen filmen solle – oh those lovely seaside girls! – sagt ansonsten gar nichts mehr und geht nach nicht einmal sieben Minuten einfach ihres Weges. Ohne sich umzudrehen. Ich weiß immer noch nicht, wie sie heißt. Dublinerds sind schon komisch. In dem Alter war ich genauso; mittlerweile weiß ich zumindest, was sich gehört. THE END

a dublinerd’s odyssey, the diaries 29-30 may 2015

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Totenmaske im Joyce Tower: Jack in the Box. (Nobody knows it, but he has got a secret smile.)


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Begrenzte Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für Zürich.


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Briefkopf der obigen.


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An dieser Stelle wäre dem Joyce Tower das Wasser abzugraben.


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Kichernde Schulmädchen gehen nackte alte Männer gucken. Wobei – wirklich jucken tut das heute keinen mehr.


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Im Turme spannt sich das blaue Band der Sympathie.


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Zur Wiederbelebung nach Seegang: ein angemaßtes „Sam“ am papierenen Becherrand des Geschehens.


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Hier profaniert man gerne: „Borstal Boy“ als billiger Kühlschrankmagnet. (By the way: Beim irischen Volkssport des Konfessionalisierens ist Behan neben Joyce als einziger Papist verbucht; neben ganz vielen illustren Anglikanern: Beckett, Shaw, Stoker, Synge, Swift, Wilde, Yeats.)


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Dass der große Durst der Iren vom großen erlittenen Hunger komme, ist ja so eine Theorie – und dass das verquere Maul der Iren wiederum von der spirituos gelockerten Zunge befeuert werde. Die angestrengte Kampagne „Ireland sober is Ireland free“ hält Joyce für eine Schnapsidee und hält dagegen „Ireland sober is Ireland stiff“: ohne Geistreiches bekommen wir den Mund nicht auf – lasst uns die Flasche! Er selbst habe erst nach dem Tod der Mutter angefangen zu saufen, heißt es – spricht nicht schon dieser Versuch einer ‚Family (Drinking) History‘ für sich?

Bei meinem Gang durch Dublin ist mir ein „mural“ ins Auge gefallen – „Please, mind your head!“ – ein autorisiertes Graffito, Ausdruck der offiziellen Kampagne für geistige Gesundheit. Ein Besuch beim Seelenklempner wird da im Kneipenviertel ganz farbenfroh als Alternative zum Pub-Besuch angepriesen … einfach übergehend, dass Sigmund Freud die Iren ja für das einzige Volk hielt, dem gemäss seiner Analyse nicht zu helfen sei. (Vielleicht liefert G.K. Chesterton schon vor Freud die Erklärung für die Inselbegabung des unverrückbaren Verrücktseins: „The great Gaels of Ireland are the men that God made mad, for all their wars are merry, and all their songs are sad“.) Ich frage mich nur, welcher irre Ire es war, der Freud so punktuell vom Glauben an die alles bewältigende Analyse abgebracht hat.

 

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