THE KASSIBER by J. Isaksen


Was gegen eine Herausgabe spricht

Kassibert am von J. Isaksen.  Lesezeit: ungefähr 2 Minuten. Kommentar mailen

Von J. Isaksen

PUBLIZIER ODER KREPIER  Wer herausgibt, muss am Ende Lesungen vorsitzen – öffentlich abgehaltenen! Ist es das, was mich letztlich davon abhält zu veröffentlichen?


klagemauer

ICH WILL (NICHT) KLAGEN  Geschriebenes ward eifrig in der Spalte der Ewigkeit versenkt, auf dass allein der große (Heraus-)Geber darüber zu befinden habe.jerusalem, desto besser?

Gestern noch schrieb ich mich auf: Zeile um Zeile.
Heute nur noch ab: Zelle für Zelle.
22.03.2015

Leute, meinen letzten großen Auftritt hatte ich im Saal der Synagoge – vollmundig angekündigt als „szenische Lesung für anderthalb Stimmen und ein Piano“. Und es sieht ganz so aus, als wäre damit meine letzte Lesung gesungen.

Das tue ich mir nicht noch einmal an:

Ich: „Der Vater Rhein als Mutter Israels …“
Publikum: „Lauter!“
Ich wiederhole mich; das Publikum versteht jetzt: „Darth Vader, ein Mutiger Israels“.
Publikum: „???“
Ich:deutlich lauter, aber keineswegs verständlicher „Der Vater Rhein als Mutter Israels!

Die Anlage streikt, und ich muss die Stimme heben, wo doch wohltemperierte Einflüsterung angebrachter wäre. Und das Klavier ist derart verstimmt, dass der von mir zum Klimpern angehaltene Pianist nur unter Protest seinen Part liefert.

Nach dem Fiasko will mir mein privates Management als erstes ein Sprechtraining nach Alfred Tomatis verordnen. Dabei ist an meiner Technik, meiner Sprech- und Atemtechnik doch gar nichts auszusetzen – wenn denn der Verstärker nicht den Verzerrer gegeben hätte.

Und dass niemand auch nur eine Frage hat! Obwohl: Der magyarische Coach der Makkabäer will mich vom Podium weg für das Volleyballteam gewinnen. Ob ich nicht den langen Schlacks für den Block geben könne. Überhaupt: ganz viel Schulterklopfen. Wie nach einem unglücklich verlorenen Match, also weniger aus Anerkennung, vielmehr aus Mitleid, dass einfach nicht ankam, was es zu vermitteln galt.

Hat man mich nur akustisch nicht verstanden, oder auch inhaltlich nicht? Und gibt es denn nicht wenigstens eine klitzekleine Nachfrage, der ich mich stellen könnte? Zum Inhalt des Vortrags. Nicht zur verdammten Technik. ◼ 

Nach einem Tagebucheintrag vom 15. Juni 2008

lesung

AUF DEM PLAKAT  Die vollmundige Ankündigung

IN DER SPALTE  Kassiber über Kassiber

klagemauer2
hakotel

*

Post Scriptum

Als es bei einer früheren Gelegenheit hieß:
„Gib alles heraus, was du hast – oder stirb!“ …

Kommt ein Ziegel geflogen  Breaking the Workflow

“Publizier oder krepier”, zischt der Vorarbeiter und wirft mir einen Dachziegel zu: “Hepp!” Mit einer waghalsigen Verrenkung kann ich mich der unversehens aufgezogenen Arbeitskette entziehen, halte mich dabei nur mit Not auf den Beinen. Ich lasse mich nicht nötigen. Der Ziegel segelt an mir vorbei, saust in die Tiefe und zerschellt krachend auf dem Pflaster. Man tut verdattert. Ich weise jede Schuld von mir: Muss ich um jeden Preis fliegende Ziegel aus der Luft greifen, nur damit andere ihre schiefen Häuser bauen können? Nein, so manches unbedachte Dach bekommt von mir keine Deckung mehr. Selbst dann, wenn ein Unwetter aufzieht und händeringend Handlangerdienste eingefordert werden. ◼

Tagebucheintrag vom 15. Juni 1999, des Geisterschreibens überdrüssig

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